Blick in die Neckarsulmer Stadtgeschichte

Bild des Deutschordensschlosses 1875 von Ph. Graimberg
Bild des Deutschordensschlosses 1875 von Ph. Graimberg

Den frühesten schriftlichen Nachweis über die Existenz des von den Franken gegründeten Neckarsulm haben wir aus dem Jahre 771: In diesem Jahr ist der Ort "villa sulmana" in einer Schenkungsurkunde des an der Bergstraße gelegenen Klosters Lorsch erwähnt. Archäologische Funde deuten jedoch auf mehrere Siedlungskerne im Bereich der heutigen Stadt bereits in der Mitte des 6. Jahrhtausends vor unserer Zeitrechnung (Jungsteinzeit) hin.

Zunächst im Besitz der Staufer kommt der Ort vor 1212 als Lehen an die Herren von Weinsberg, die die Burganlage auf dem Scheuerberg errichteten. Auch die Anfänge des Stadtschlosses reichen ins 13. Jahrhundert zurück. Anfang des 14. Jahrhunderts erhielt der Ort Stadt- und Marktrechte, ebenfalls aus dieser Zeit stammt wohl die Stadtmauer.

1335 verkauften die Herren von Weinsberg unter anderem Neckarsulm an das Erzstift Mainz, welches den Ort jedoch Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1483 an die Herren von Sickingen verpfändete. 1484 schließlich kam die Stadt  durch Tausch vom Erzstift Mainz an den Deutschen Orden, dessen Herrschaft sie dann bis 1805 unterstand. Noch heute sind das Stadtwappen mit dem schwarzen Kreuz auf weißem Grund und die Stadtfarben schwarz-weiß Ausdruck der der Jahrhunderte währenden Zugehörigkeit zum Deutschen Orden.

Historische Ansicht von Neckarsulm um 1843
Historische Ansicht von Neckarsulm um 1843

Im Bauernkrieg 1525 zerstörten aufgebrachte Bauern den Verwaltungssitz des Deutschordensamtmanns, die Burg auf dem Scheuerberg. Diese ist danach nicht mehr aufgebaut worden - der Verwaltungssitz des Deutschordens wurde in das damals ebenfalls stark beschädigte, aber wieder hergestellte Stadtschloss verlegt. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurden neben der nach dem Bauernkrieg geschleiften Stadtbefestigung das Rathaus, die Große Kelter und der Vorgängerbau der heutigen Stadtpfarrkirche errichtet.  Im selben Jahrhundert setzt sich im Übrigen für die bisher stets "Sulm" genannte Stadt allmählich der uns heute geläufige Name "Neckarsulm" durch.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) musste die Bevölkerung mehrfach wechselnde militärische Besatzungen und eine Pestepidemie über sich ergehen lassen.

Ende des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts litt Neckarsulm im Zuge verschiedener Kriege (französische Kriege, Erbfolgekriege und siebenjähriger Krieg) erneut unter militärischen Besatzungen. In dieses Jahrhundert fielen auch der Bau der neuen Stadtkirche St. Dionysius und des neuen Rathauses. Nach den napoleonischen Kriegen kam Neckarsulm aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses bzw. des Preßburger Fridens 1805 an Württemberg (seit 1806 Königreich) und war ab 1807 württembergische Oberamtsstadt.

Historische Aufnahme der Neckarsulmer Innenstadt mit Blick auf die St. Dionysius Kirche
Historische Aufnahme der Neckarsulmer Innenstadt mit Blick auf die St. Dionysius Kirche
Neckarsulmer Industrieviertel um 1900
Neckarsulmer Industrieviertel um 1900

Neckarsulm war bis weit ins 19. Jahrhundert eine ländliche, von Landwirtschaft und Weinbau geprägte Stadt gewesen – 1855 wurde hier die älteste Weinbaugenossenschaft des Landes gegründet. Am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sie sich rasant zur Industriestadt, auch begünstigt durch den 1866 erfolgten Anschluss an die Eisenbahn und die Lage am Neckar. Den größten Anteil an dieser Entwicklung hatte die seit 1880 in Neckarsulm ansässige Strickmaschinenfabrik Christian Schmidt, unter deren späteren weltbekannten Firmennamen NSU Fahrräder, Motorräder und Autos produziert wurden (heute:  AUDI AG).
Infolge dieser Entwicklung verdoppelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Bevölkerung von 1 863 (1801) auf 3 707 (1900) Menschen. Um der wachsenden Stadt Raum zu geben, wurde die Stadtbefestigung nach und nach entfernt.
Durch den Zuzug auswärtiger Arbeiter veränderte sich die Struktur der bis dahin traditionell katholisch geprägten Stadt. Eine Ortsgruppe der SPD entstand 1898 und die protestantische Gemeinde wuchs seit der Mitte des Jahrhunderts stetig an.

Die zerstörte Neckarsulmer Innenstadt nach dem 2. Weltkrieg
Die zerstörte Neckarsulmer Innenstadt nach dem 2. Weltkrieg

Während des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges erlangt die Stadt durch den Standort einer Kaserne und der kriegswichtigen Industriebetriebe Karl Schmidt und NSU Bedeutung. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört ein amerikanischer Bombenangriff am 1. März 1945 die Innenstadt weitgehend. Der Wiederaufbau erstreckt sich bis in die 1950er Jahre: Zum Teil wurden historische Gebäude wieder aufgebaut wurden, an anderen Stellen – so beispielsweise im Bereich des Marktplatzes – entstand durch den Verzicht auf den Wiederaufbau der Häuser ein neues Stadtbild. Neu entsteht in den Jahren 1953 bis 1955 der Stadtteil Amorbach. Dort wurde Wohnraum für 3 000 Menschen – vorwiegend Vertriebene, Ausgebombte und Pendler – geschaffen.

Im Zuge der Gebietsreform schließt sich am 1. Mai 1971 die Gemeinde Dahenfeld und am 1. Mai 1972 die Gemeinde Obereisesheim der Stadt Neckarsulm an, die seit 1973 Große Kreisstadt ist. Ein Jahr später wird am 1. Januar 1973 die Stadt Neckarsulm zur großen Kreisstadt erklärt. Mit rund 26 700 Einwohnern (Stand: Juni 2017) ist Neckarsulm heute als zweitgrößte Stadt im Landkreis Heilbronn eine wirtschaftlich bedeutende Stadt, die neben den Firmen Audi AG, Kolbenschmidt Pierburg AG, Lidl & Schwarz, TDS AG und Bechtle GmbH zahlreiche Mittel- und Kleinbetriebe beherbergt und sich als Standort für zukunftsträchtige Produktionsbereiche und Dienstleistungen versteht.

Unsere Stadtgeschichte in Kürze


Wer mehr über die Neckarsulmer Stadtgeschichte erfahren will, findet viele interessante Informationen im Stadtmuseum (Urbanstraße 14), im Stadtarchiv  (Marktstraße 16) und in folgender Literatur.

Nach oben

Überblickswerke

  • Engisch, Helmut. Neckarsulm. Lebendige Stadt mit vielen Gesichtern. Stuttgart: Theiss 2010
  • Königliches statistisch-topographisches Bureau (Hrsgg.): Beschreibung des Oberamts Neckarsulm. Stuttgart 1881
  • Historische Blätter. Herausgeber: Heimatverein- und Museumsverein Neckarsulm
  • Krapf, Friedrich: Neckarsulmer Heimatbuch, hrsg. im Auftrag der Evangelischen und Katholischen Bezirksschulamts. Öhringen 1928
  • Maucher, Franz Josef: Geschichte Neckarsulms. Waldsee 1901
  • Stadt Neckarsulm (Hrsg.): Neckarsulm. Die Geschichte einer Stadt. Stuttgart 1992
  • Vogt, August: Historischer Stadtführer Neckarsulm 1990
  • Vogt, August: Villa Sulmana. Bilder einer Stadtentwicklung. Neckarsulm 2000

Chroniken

  • Heyler, Anton: Neckarsulm im Auf und Ab eines halben Jahrhunderts. Chronik 1900-1950. Neckarsulm 1955
  • Heyler, Anton: Chronik der Stadt Neckarsulm 1951-1976. Neckarsulm 1989
  • Löslein, Barbara und Liebig, Bernd: Chronik der Stadt Neckarsulm 1977-2000. Neckarsulm 2005

Orts- und Stadtteile

  • Friedel, Bernd/Stadt Neckarsulm (Hrsg.): 50 Jahre Amorbach. Der Stadtteil im Wandel der Zeit. Neckarsulm 2005
  • Gemeinde Obereisesheim (Hrsg.): 1200 Jahre Obereisesheim. Beiträge zur Ortsgeschichte. Ludwigsburg 1967
  • Löslein, Barbara/Bauer, Martin: Dahenfeld. Neckarsulm 2002
  • Löslein, Barbara/Stadt Neckarsulm (Hrsg.): Obereisesheim - Die Entwicklung eines Dorfes. Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum der Eingemeindung Obereisesheims. Neckarsulm 1997
  • Stadt Neckarsulm/Gemeinde Untereisesheim (Hrsg.), Barbara Löslein und Andrea Walderich (Bearb.): 1250 Jahre Eisesheim. Ein Streifzug durch die Geschichte zweier Orte. Neckarsulm 2017

Nach oben

Einrichtungen in Neckarsulm