Spatenstich für vierte Reinigungsstufe auf der Verbandskläranlage Neckarsulm

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Mit dem ersten Spatenstich haben die Bauarbeiten für die vierte Reinigungsstufe, eine weitergehende Stufe der Abwasserreinigung, offiziell begonnen: (v. li.) AZV-Geschäftsführer Thorsten Morhaus, die Bürgermeister Timo Frey (Bad Friedrichshall), Birgit Hannemann (Weinsberg) und Andreas Zaffran (Bad Wimpfen), OB Steffen Hertwig, Bürgermeister Christian Tretow (Untereisesheim), Dr. Martin Wett, Geschäftsführer Holinger Ingenieure, Bürgermeister Michael Folk (Offenau), AZV-Bau- und Projektleiter Sascha Specht sowie Bauleiter Stefan Kirbs, Sascha Bißwanger, Bereichsleiter Ingenieurbau, Oberbauleiter Nikolaos Asvestas, Polier Ralf Werner, Benjamin Engel, Bauleiter Tiefbau, und Polier Peter Feile (alle Leonhard Weiss). (Foto: snp)

Der Abwasserzweckverband (AZV) Unteres Sulmtal hat einen Meilenstein für die Zukunft des Gewässerschutzes in der Region Heilbronn-Franken gesetzt: Mit dem symbolischen ersten Spatenstich haben die Arbeiten für den Bau der sogenannten vierten Reinigungsstufe auf der Verbandskläranlage Neckarsulm offiziell begonnen. Steffen Hertwig, Oberbürgermeister der Stadt Neckarsulm und AZV-Vorsitzender, begrüßte die Bauträger und Projektpartner auf der Erweiterungsfläche der Kläranlage, wo die vierte Reinigungsstufe errichtet wird. Bis Mai 2030 soll die weitergehende Stufe der Abwasserreinigung fertiggestellt sein.

Mit diesem innovativen, richtungsweisenden Verfahren werden Spurenstoffe, Phosphor und Mikroplastik aus dem Abwasser entfernt. Eliminiert werden Arzneimittelrückstände und weitere Spurenstoffe wie Röntgenkontrastmittel, Duftstoffe aus Körperpflege- und Reinigungsmitteln, Pflanzenschutzmittel, Industriechemikalien und Flammschutzmittel. Diese Spurenstoffe und Chemikalien können mit der bisherigen Technik nicht ausreichend aus dem Abwasser entfernt werden und finden sich in Flüssen, Bächen und Seen wieder. Manche dieser chemischen Verbindungen können sich schon in sehr geringen Konzentrationen nachteilig auf Kleinlebewesen und Tiere auswirken.   

Am offiziellen Baubeginn nahmen die Bürgermeister der Verbandskommunen und Vertreter des AZV als Bauherr teil. Geplant wird der Bau von der Holinger Ingenieure GmbH, Merklingen. Mit der Bauusführung ist die Leonhard Weiss GmbH & Co.KG, Öhringen beauftragt. Die Baukosten betragen rund 22 Millionen Euro und werden vom Land Baden-Württemberg mit rund 5,7 Millionen Euro gefördert.

OB Steffen Hertwig: „Neues Verfahren geht am weitesten über Mindestanforderungen hinaus“

„Mit der vierten Reinigungsstufe gehen wir aus Überzeugung am weitesten über die gesetzlich geforderten Mindestanforderungen hinaus“, unterstrich Steffen Hertwig. „Mit dem neuen Verfahren entlasten wir den Neckar nachhaltig und schützen die biologische Vielfalt in unseren Gewässern.“ So schütze der AZV die Lebensgrundlage Wasser und übernehme Verantwortung für die Zukunft. Für die Unterstützung dieses Zukunftsprojekts danke der Verbandsvorsitzende dem Land Baden-Württemberg, dem Regierungspräsidium Stuttgart und den Verbandskommunen.

Weil die Fläche auf der Kläranlage begrenzt ist, setzt der AZV erneut auf die innovative SBR-Technik (Sequencing Batch Reactor) mit Reaktoren. Diese Verfahrenstechnik kam bereits beim platzsparenden und zugleich umweltverträglichen Ausbau der Kläranlage zum Einsatz. Dabei werden die verschiedenen Prozessschritte nicht in jeweils separaten Bauwerken, sondern in einem einzigen Bauwerk phasenweise nacheinander durchlaufen. Der Bau der vierten Reinigungsstufe mit platzsparender SBR-Technik nach dem Neckarsulmer Modell ist in Deutschland bislang einmalig.  

Spurenstoffe werden mit Pulveraktivkohle eliminiert 

Und so funktioniert das Reinigungsverfahren: Die Spurenstoffe werden mit Hilfe von Pulveraktivkohle (PAK) eliminiert. Die vierte Reinigungsstufe umfasst vier SBR-Reaktoren mit PAK-Pumpwerk und vier nachgeschaltete Tuchfilteranlagen mit Befüll-Pumpwerk. Das bestehende Auslaufbauwerk wird ertüchtigt. Die Pulveraktivkohle wird in gemahlener Form nach der dritten Reinigungsstufe in das bereits weitgehend gereinigte Abwasser gegeben und vermischt sich mit dem Abwasser. Dabei entfaltet sie ihre adsorbierende Wirkung. An der großen porösen Oberfläche haften die Spurenstoffe fest an (Adsorption). Die Aktivkohle sinkt dann auf den Boden des Sedimentationsbeckens, und das Abwasser wird in der Tuchfilteranlage nachgereinigt. Die Aktivkohle wird schließlich zusammen mit dem Klärschlamm getrocknet und verbrannt.

Die Kommunale Abwasser-Rahmenrichtlinie der EU schreibt die vierte Reinigungsstufe von 2033 an verpflichtend vor. Sobald diese EU-Richtlinie in nationales Recht überführt ist, müssen die Kommunen in Deutschland diese Verfahrenstechnik schrittweise einführen, und zwar zunächst auf den großen Kläranlagen. Dass der AZV der Gesetzgebung hier bereits einen großen Schritt voraus ist, macht sich im wahrsten Wortsinn bezahlt. Denn sobald die neue Technik verpflichtend ist, werden dafür keine Fördergelder mehr gewährt.

Über den AZV Unteres Sulmtal

Zum Abwasserzweckverband Unteres Sulmtal gehören die Kommunen Bad Friedrichshall, Bad Wimpfen, Eberstadt, Erlenbach, Neckarsulm, Offenau, Untereisesheim und Weinsberg. Auf der Verbandskläranlage Neckarsulm werden die Abwässer von 75.000 Bürgerinnen und Bürgern sowie von zahlreichen Gewerbe- und Industriebetrieben behandelt. Die Kläranlage wurde in den Jahren 2007 bis 2012 mit einem Kostenaufwand von rund 30 Millionen Euro leistungsmäßig erweitert und bedarfsgerecht modernisiert. Heute verfügt die Verbandskläranlage Neckarsulm über eine Reinigungsleistung von 200.000 Einwohnerwerten. (snp)

(Erstellt am 01. Oktober 2026)