Rund 300 geflüchtete Menschen leben derzeit in der Anschlussunterbringung in Neckarsulm. Nach dem Abschluss ihres Asylverfahrens haben sie mit ihrer Familie oder als Einzelperson eine städtische oder private Wohnung bezogen und gehören nun zur Neckarsulmer Einwohnerschaft. Wer sind diese Menschen? Woher kommen sie, welche Erfahrungen haben sie in Deutschland gesammelt, was bewegt sie, und welche Wünsche und Hoffnungen haben sie? In einer Serie kommen Geflüchtete in Neckarsulm zu Wort und erzählen ihre Geschichte.
Familie Karimi aus Afghanistan
Zur Familie Karimi gehören Ali und Habibeh Karimi und die drei Kinder Sarina (11), Maria (5) und Moones (sechs Monate). Die Familie kam 2014 nach Deutschland. Die ersten beiden Wochen verbrachte sie in Karlsruhe und zog dann nach Untereisesheim um. Seit April 2017 bewohnt die Familie dort eine eigene Wohnung. Ansprechpartner für geflüchtete Menschen im Raum der Verwaltungsgemeinschaft Neckarsulm-Erlenbach-Untereisesheim sind die Integrationsmanager. Sie sind im Auftrag der Verwaltungsgemeinschaft tätig und werden von der Stadt Neckarsulm befristet beschäftigt. Die Personalkosten trägt das Land im Rahmen des Paktes für Integration.
Ali Karimi: „Die Reise war nicht so gut. Hier in Deutschland geht es uns aber sehr gut. Hier haben wir Rechte. Ich durfte den Führerschein machen und arbeiten. Ich habe bereits im Dezember 2014 angefangen zu arbeiten. Seit 2016 arbeite ich als Helfer bei der Firma Losberger. In Afghanistan habe ich manchmal als Händler oder auch als Fliesenleger gearbeitet.
Ich habe schnell eine Arbeitsstelle gefunden. Am Anfang war es schon schwierig, andere Deutsche kennen zu lernen. Es gab hier aber auch zwei nette Deutsche, die mir geholfen haben. Nur wenn ich etwas gar nicht verstand, habe ich diese beiden Männer um Hilfe gebeten. Ich frage nicht so gerne um Hilfe. Deshalb mache ich viel selbst.
Ich habe viel zu lange gebraucht, um die Sprache zu lernen. 2015 habe ich bei der Agentur für Arbeit einen dreimonatigen Deutschkurs gemacht. Anschließend hat meine Arbeitsfirma einen Deutschkurs angeboten. Sechs Monate lang haben wir zweimal in der Woche nach der Arbeit Deutsch gelernt.
Gleich am Anfang ist mir die Pünktlichkeit aufgefallen. Das finde ich eigentlich gut. Aber am Anfang fiel es uns schwer, sich daran zu halten. Mittlerweile klappt es aber ganz gut. Auch die Ordnung und Sauberkeit sind uns aufgefallen. Das gefällt meiner Frau und mir sehr gut.
Ich sehe hier immer die alten Leute, die im Garten oder am Haus arbeiten. Das fand ich interessant. Von Afghanistan kenne ich das nicht. Dort haben die alten Leute nicht gearbeitet.
Ich habe viele Wünsche. Das Wichtigste für mich ist, meinen Kindern eine sichere Zukunft zu bieten. Ich möchte alles dafür tun, dass es ihnen mal besser geht als mir. Wichtig ist mir auch, in Ruhe zu leben.“
Habibeh Karimi: „Mein größter Wunsch ist, endlich den Führerschein zu machen und dann auch arbeiten gehen zu können. In Afghanistan habe ich nicht gearbeitet. Wenn mein jüngstes Kind etwas älter ist, möchte ich Erzieherin werden oder eine Ausbildung zur Konditorin machen.
Sarina ist auf dem Gymnasium in Bad Wimpfen. Bei ihr hat es in der Schule bisher sehr gut geklappt. Nach der vierten Klasse waren wir unsicher, ob wir sie auf die Realschule oder das Gymnasium schicken sollten. Wir haben dann nochmal einen Test mit ihr gemacht. Dabei kam heraus, dass sie auf das Gymnasium gehen soll. Sie ist jetzt in der sechsten Klasse. Sie will es unbedingt schaffen und lernt sehr viel.
Maria besucht den Kindergarten ‚Abenteuerland‘ in Untereisesheim. Meine Kinder haben schon einige Freunde gefunden. Und auch wir haben Kontakt zu ein paar deutschen Familien.“
(Protokoll/Foto: Nico Markert)