Schwimmerbecken wird nicht zum Mehrgenerationenbecken mit Nichtschwimmerbereich umgebaut
Der Gemeinderat der Stadt Neckarsulm hält an der Modernisierung des Ernst-Freyer-Freibades in Neckarsulm-Obereisesheim fest, hat aber die Sanierungspläne in einem zentralen Punkt geändert. Das Schwimmerbecken wird nicht, wie ursprünglich beschlossen, in ein Mehrgenerationenbecken mit unterschiedlichen Wassertiefen umgewandelt, sondern bleibt als reines Schwimmerbecken unverändert bestehen.
Der Gemeinderat hatte Anfang Juli den erweiterten Baubeschluss zur Modernisierung des Freibades im Stadtteil Obereisesheim gefasst. Bestandteil des Beschlusses war auch der Plan, den Boden des Schwimmerbeckens im Bereich der Bahnen eins bis drei anzuheben, um eine zusätzliche Aufenthaltsfläche für Nichtschwimmer zu schaffen. Daran entzündeten sich Diskussionen und Widersprüche in Teilen der Bevölkerung, so dass die Verwaltung den Baubeschluss in diesem Punkt erneut zur Abstimmung stellte. Schließlich beschloss der Gemeinderat mehrheitlich mit 15 Ja-Stimmen und bei vier Gegenstimmen auf die Umgestaltung des Schwimmerbeckens zu verzichten.
Die weiteren Bausteine der Sanierung werden wie ursprünglich beschlossen umgesetzt. So werden ein Filter- und ein weiteres Technikgebäude neugebaut, um die Badewassertechnik komplett zu erneuern. Die Sanierungsarbeiten beginnen Mitte Januar 2027 mit dem Neubau des Filtergebäudes hinter der erhöhten Liegewiese.
Umfrage auf „Go Vocal“ ergab klares Meinungsbild
Nach zahlreichen E-Mails und Rückmeldungen vor allem von Seiten der Freibad-Stammgäste hatte die Verwaltung eine Meinungsumfrage auf der digitalen Bürgerbeteiligungs-Plattform „Go Vocal“ gestartet. Die Umfrage lieferte zwar keine repräsentativen Ergebnisse, aber doch ein klares Meinungsbild. Von den 420 Teilnehmenden votierten Dreiviertel dagegen, den Boden des Schwimmerbeckens in Teilen anzuheben. Gegen diese Maßnahme sammelten Unterstützer zudem rund 400 Unterschriften. Etwa weitere 100 Unterschriften waren angekündigt und sollten nachgereicht werden. Dieses eindeutige Meinungsbild war ausschlaggebend für die erneute Diskussion im Gemeinderat.
Dieser Ablauf sei „sicherlich nicht ideal“ gewesen, räumte Oberbürgermeister Steffen Hertwig ein. „Für uns als Verwaltung ist häufig nur schwer absehbar, welche Dynamiken sich im Nachgang einer politischen Entscheidung entwickeln.“ Bei fast 200 Beschlüssen im Jahr könne nicht jede Entscheidung im Vorfeld mit der Bürgerschaft abgestimmt werden, so Steffen Hertwig. Schließlich sei es Aufgabe des Gemeinderates in einer repräsentativen Demokratie, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.
OB Steffen Hertwig: „Wir werden die Bürger besser beteiligen“
Künftig werde man die Bevölkerung besser beteiligen. „Wir müssen als Gemeinderat und Verwaltung ein besseres Gespür dafür entwickeln, bei welchen Themen eine frühzeitige und intensive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger besonders wichtig ist“, betonte Steffen Hertwig. Dafür sei die Online-Plattform „Go Vocal“ das richtige Instrument. „Ich meine es ernst mit unseren Bemühungen um Go Vocal und eine stärkere Beteiligung der Bürgerschaft“, versicherte der Oberbürgermeister. „Eine Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Meinung äußern, sich einmischen und für ihre Überzeugungen eintreten.“
Gleichzeitig appellierte Steffen Hertwig an alle: „Lassen Sie uns mehrheitlich getroffene Entscheidungen des Gemeinderates respektieren – auch dann, wenn wir persönlich anderer Meinung sind.“ OB Hertwig wandte sich auch dagegen, Drohkulissen, wie etwa den Ruf nach einem Bürgerbegehren, gegenüber Verwaltung und Gemeinderat zu formulieren. „Ich wünsche mir von uns allen einen fairen und respektvollen Umgang miteinander. Unser Ziel muss es sein, nicht die Spaltung zu vertiefen, sondern Vertrauen zu schaffen.“
Komforteinstieg wird als separate Treppe gebaut
Weil die Wassertiefe des Schwimmerbeckens im Einstiegsbereich unverändert 1,50 Meter beträgt, muss der beschlossene Komforteinstieg angepasst werden. Statt der ursprünglich geplanten breiten, flachen Treppe ins Becken hinein wird der neue Komforteinstieg ausgelagert und neben dem Becken errichtet. Hierzu wird das Schwimmerbecken leicht vergrößert. Besucher gelangen künftig über die separate Treppe hinunter bis zur Randstufe und von dort ins Becken.
Bund fördert Freibadsanierung in Obereisesheim mit 685.000 Euro
Für die Sanierung des Ernst-Freyer-Bades in Obereisesheim erhält die Stadt Neckarsulm eine Einmalförderung in Höhe von 685.000 Euro. Dies gab Oberbürgermeister Steffen Hertwig bei der Änderung des erweiterten Baubeschlusses im Gemeinderat bekannt. Die Förderung wurde vom Haushaltsausschuss des Bundestages bewilligt und stammt aus dem Förderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“. Die Baukosten für die Sanierung des Freibades betragen insgesamt rund 6,2 Millionen Euro einschließlich Nebenkosten.
Steffen Hertwig dankte ausdrücklich dem Bundestagsabgeordneten Alexander Throm, der sich in Berlin für die Förderung eingesetzt hatte. Der im Wahlkreis Heilbronn direkt gewählte Bundestagsabgeordnete verbindet persönliche Erinnerungen mit dem Ernst-Freyer-Bad. „Er selbst hat in seiner Kindheit viel Zeit in diesem Bad verbracht“, berichtete Steffen Hertwig. (snp)
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