Workshop-Reihe zu innovativen Wohnkonzepten startet mit Auftaktveranstaltung am 4. Februar

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Bei einem Infoabend am 4. Februar in der Franz-Binder-Verbundschule Neckarsulm erfahren Interessierte mehr über das geplante Wohngenossenschaftsprojekt der pro… Genossenschaft in Amorbach: (v. li.) OB Steffen Hertwig, pro-Prokurist Magnus Geibel, 21-arch-Geschäftsführer Ulrich Schwarz und Manuel Heer, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Baurecht.        

Unter dem Dach des Dienstleistungs-Genossenschaftsunternehmens „pro… gemeinsam leben und bauen eG“, Stuttgart soll im Neckarsulmer Stadtteil Amorbach ein Wohngenossenschaftsprojekt realisiert werden. Die Idee: Eine private Interessensgemeinschaft, idealerweise aus mehreren Generationen, schließt sich zum Hausbau zusammen, legt die Größe der Wohnungen selbst fest und plant Gemeinschafts- und Begegnungsräume mit ein. Die erste Initiativ-Veranstaltung fand am 9. Juli 2024 in Amorbach statt. Seitdem treffen sich projektinteressierte Bürgerinnen und Bürger regelmäßig zum unverbindlichen Austausch. Aus dieser Initiativgruppe soll später die Baugemeinschaft hervorgehen.

Jetzt startet das Projekt „GRÜNE MITTE+ – gemeinsam schöner leben“ in eine neue Phase. Im Februar beginnt eine Workshop-Reihe, die gemeinsam mit der Stadt Neckarsulm vorbereitet und von einem Architekten begleitet wird. Zum Auftakt findet ein Informationsabend am Mittwoch, 4. Februar 2026, um 19 Uhr in der Franz-Binder-Verbundschule, Pichterichstraße 25, in Neckarsulm statt. Zu diesem Infoabend und den folgenden Workshop-Veranstaltungen sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.

Bei der Auftaktveranstaltung am 4. Februar begrüßt Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel die Teilnehmenden und führt in den Abend ein. Anschließend stellt Thomas Schmitt, Vorstandsvorsitzender der pro Genossenschaft, das geplante genossenschaftliche Wohnbauprojekt in Amorbach vor. Zum Thema Innovative Wohnkonzepte referiert Professor Dr. Ulrich Otto, Alters- und Wohnforscher aus Tübingen. In seinem Fachvortrag geht Professor Otto auch auf die in Amorbach geplante Wohnform ein. Darüber hinaus demonstriert der Wohnforscher anhand von spannenden Beispielen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland, welche vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten den Amorbacher Genossenschaftsmitgliedern in der noch zu gründenden Wohnbaugemeinschaft offenstehen. Mögliche Gestaltungsformen sollen in den anschließenden Workshops mit den Akteuren der pro… Genossenschaft und des begleitenden Architektenteams gemeinsam ausgearbeitet werden.

Professor Dr. Ulrich Otto ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Luzern und der Theologischen Hochschule Reutlingen. Er verfügt über umfangreiche Kenntnisse aus seinen Forschungen und Kooperationen mit der ETH Wohnforum Zürich.

Stadt Neckarsulm unterstützt Modellvorhaben im Rahmen des Zehn-Punkte-Plans für bezahlbaren Wohnraum

„Mit der Idee einer Wohnbaugenossenschaft geht die Stadt Neckarsulm bei der Wohnraumversorgung neue Wege“, erläutert Oberbürgermeister Steffen Hertwig. „Eine solche Wohnform gibt es in Neckarsulm bislang noch nicht. Gerne unterstützen wir dieses Modellvorhaben im Rahmen des städtischen Zehn-Punkte-Plans für bezahlbaren Wohnraum.“

Darin ist unter anderem festgelegt, dass die Stadt städtische Baugrundstücke für projektbezogene Wohnbaugenossenschaften zum Selbstkostenpreis bereitstellt. Dementsprechend hat der Gemeinderat im Februar 2024 beschlossen, zwei zusammenhängende Grundstücksflächen von insgesamt 5700 Quadratmetern an der Lautenbacher Straße in Amorbach perspektivisch an die Baugemeinschaft zu veräußern oder als Erbbaurecht zu vergeben, sobald sich diese Initiativgruppe gegründet hat.

Die Genossenschaft „pro… gemeinsam leben und bauen eG“ unterstützt die private Baugruppe bei der Entwicklung und Planung des Bauvorhabens, übernimmt den Bauantrag, die Ausschreibungen und Kostenberechnungen und steuert den Bauprozess bis zur Bezugsfertigkeit. Sie beteiligt sich zudem an dem Projekt, indem sie selbst Wohnungen im neuen Wohngebäude als Mitgesellschafter erwirbt und vermietet. Baulich begleitet das Architektenbüro 21-arch GmbH aus Stuttgart das Planungskonzept.

„Das Projekt GRÜNE MITTE+ ist eine spannende Idee“, versichert der Prokurist der pro… Genossenschaft, Magnus Geibel. „Dieses Wohnbauprojekt fördert bürgerschaftliches Engagement und Teilhabe an der Stadtentwicklung sowie die Nachbarschaftsentwicklung in Amorbach. Damit wird eine in vielen Städten bereits etablierte neue Wohnform auch in Amorbach geschaffen.“

Genossenschaftsmitglieder planen Wohnräume und Gemeinschaftsflächen selbst

Im Vordergrund des Projekts stehen nicht nur die individuellen Wohnräume als klassische Eigentums- oder genossenschaftliche Mietwohnungen. Ergänzend sollen zusätzliche Gemeinschafts- und Begegnungsflächen entstehen, die die Hausbewohner selbst gemeinschaftlich oder privat nutzen können. Gemeinsame Werkstatträume, Gemeinschaftsgarten, Gästeappartements und viele weitere Ideen sollen umgesetzt werden. „Diese Gemeinschaftsorte ermöglichen eine niederschwellige Nachbarschaftsunterstützung für Familien, Menschen im dritten Lebensabschnitt oder auch für Menschen mit Behinderungen. Sie erhöhen so nicht nur den Wohnwert, sondern bieten auch einen Mehrwert im Alltag“, betont Magnus Geibel.     

Die Beteiligten entwerfen und gestalten mit, egal ob werdender Miteigentümer oder Mieter. Entsprechend den eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen planen die Genossenschaftsmitglieder die Gemeinschafts- und Begegnungsräume. Möglich ist zum Beispiel ein Gemeinschaftsraum mit Küche, der für regelmäßige Treffen, Zusammenkünfte und Aktionen der Gemeinschaft wie gemeinsames Kochen und Spielenachmittage auch für Kinder oder private Feiern genutzt werden kann.

„Realisiert werden in solchen Projekten gerne auch ein gemeinsamer Hobby- beziehungsweise Werkstattraum oder Gästeappartements, um Besuch unterzubringen“, berichtet Ulrich Schwarz, Geschäftsführer der 21-arch GmbH. Vielfach entschieden sich die Projektgruppen auch dazu, WG-Wohnungen zu integrieren, die gegebenenfalls später zum Wohnen im Alter genutzt werden können. „Die Idee ist meist, Wohnraum sowohl für Jung als auch Alt zu schaffen, um von den Vorteilen des Mehrgenerationenwohnens dauerhaft und über eine lange Lebenszyklusphase des Wohngebäudes profitieren zu können“, so Ulrich Schwarz.   

Die Dachgenossenschaft pro… verfügt über eine reiche Erfahrung im genossenschaftlichen Wohnungsbau. Dies zeigen viele bereits verwirklichte Projekte in ganz Baden-Württemberg, die im Laufe der kommenden Monate auch von der entstehenden Planungsgruppe gemeinsam mit Interessenten besichtigt werden sollen.

Unter dem Dach der pro… Wohngenossenschaft sind in 25 Jahren 16 Wohnprojekte mit 380 Wohnungen, davon 83 genossenschaftliche Mietwohnungen entstanden. Die pro… Genossenschaft umfasst 370 Genossenschaftsmitglieder, die mit dem Generationenwohnen Raum schaffen für Gemeinschaft und Individualität, kulturelle Vielfalt und das unterstützende Miteinander von Jung und Alt.

Informationen zum Wohngenossenschaftsprojekt „GRÜNE MITTE+ – gemeinsam schöner leben“ finden Interessierte auch im Internet unter www.mehrgenerationenwohnen-amorbach.de. (snp/pro)