Neckarsulmer Oberbürgermeister fordert vor Aufsichtsratssitzung: Möglichen Vorstandsbeschluss gegen den Standort nicht mittragen
Vor der Sitzung des VW-Aufsichtsrats appelliert Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig an die Mitglieder des Gremiums, keinen Beschluss mitzutragen, der die Zukunft des Audi-Standorts Neckarsulm vorzeitig infrage stellt. In Medienberichterstattungen ist von einem angeblich einstimmig gefassten VW-Vorstandsbeschluss die Rede, der unter anderem das Ende des Audi-Standorts Neckarsulm besiegeln würde.
„Der Audi-Standort Neckarsulm brauche jetzt vor allem Zeit, um weiter an seiner Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu arbeiten“, erklärt Steffen Hertwig. „Wenn von Werkleitung und Beschäftigten erwartet wird, Prozesse zu verbessern, Kosten zu senken und neue Wege zu gehen, dann muss dieser Weg auch eine faire Chance haben. Wer Veränderung von den Beschäftigten erwartet, muss ihnen auch eine Zukunft anbieten“, so Hertwig.
Nach den jüngsten Berichten und internen Äußerungen aus dem Werk sei klar, dass die Frage der langfristigen Werkbelegung weiter offen sei. Genau deshalb dürfe der Aufsichtsrat keine Entscheidung mittragen, die den Standort faktisch vorfestlege. „Neckarsulm darf nicht als Auslaufstandort behandelt werden. Dieser Standort hat industrielle Erfahrung, technologische Kompetenz, Innovationskraft und eine hochqualifizierte Belegschaft. Daraus kann Zukunft entstehen – wenn der Konzern diese Zukunft auch ernsthaft will“, sagt der Oberbürgermeister.
„Ich selbst und die ganze Region werden weiter um diesen Standort kämpfen.“
Hertwig verweist zugleich auf die wachsende Verunsicherung der Beschäftigten und ihrer Familien. Seit Wochen wechselten Berichte, Spekulationen, Dementis und neue Wasserstandsmeldungen. „Das macht etwas mit den Menschen. Es geht um rund 15.000 Beschäftigte, um Familien, um Zulieferer, Dienstleister, Handwerk, Handel und um die wirtschaftliche Stabilität einer ganzen Region. Der Konzern trägt hier eine besondere Verantwortung für Klarheit und Transparenz.“
An den VW-Aufsichtsrat richtet Hertwig einen klaren Appell: „Sollte tatsächlich ein Vorstandsvorschlag auf dem Tisch liegen, der Neckarsulm ohne ausreichende Fakten, ohne geprüfte Alternativen und ohne faire Bewährungszeit die Zukunft nimmt, fordere ich den Aufsichtsrat eindringlich auf, diesen Weg nicht mitzugehen.“(snp)
