Ein "aufrichtiger Freund" für Obereisesheim
Am 14. April 1901 wurde der spätere Obereisesheimer Bürgermeister Wilhelm Johann Maier als Sohn des Schneidermeisters Wilhelm Maier und seiner Frau Luise geb. Mangold in Untergröningen geboren, einem kleinen Ort zwischen Gaildorf und Aalen. Sein Lebenslauf wird auf Grundlage von Forschungen der früheren Stadtarchivarin Barbara Löslein genauer beleuchtet.
Nach der Schulzeit in seinem Geburtsort erhielt der junge Wilhelm Maier einen Verwaltungsausbildung in Fichtenberg, bevor er in den Landratsämtern Balingen und Spaichingen und dem Oberversicherungsamt in Stuttgart arbeitete. Er bewarb sich 1928 auf die Stelle des Bürgermeisters in Obereisesheim, die nach dem Rücktritt von Schultheiß Fehr, gegen den ein Strafverfahren wegen Unterschlagung lief, nur provisorisch geführt wurde. Im Frühjahr 1929 wurde Maier mit 2/3 der Stimmen aus insgesamt 23 Kandidaten ausgewählt, am 25. April erfolgte die Amtseinsetzung mit anschließender Feier in den Gasthöfen Lamm und Ochsen. Der neue Bürgermeister übernahm die Gemeinde in wirtschaftlich und politisch schwieriger Zeit und begann schnell mit der Umsetzung wichtiger Infrastrukturmaßnahmen: Es entstanden bis 1933 zwei Bauabschnitte der Ortskanalisation, die bereits vor Amtsantritt vom Gemeinderat beschlossen waren, der Ausbau von Feldwegen, die Teerung von Ortsstraßen und 1933/1934 die Verbesserung der Wasserversorgung. 1939 wurde der Kindergarten eingeweiht, 1940 die Turn- und Festhalle mit Lehrschwimmbecken.
1931 heiratete Maier die Obereisesheimerin Elsa Frank, mit der er drei Kinder bekam. Seine Freizeit verbrachte Wilhelm Maier in der Natur, gerne beim Bergsteigen. Darüber hinaus war er als Verwaltungsfachmann seit 1936 auch Bürgermeister von Untereisesheim, ab 1939 zusätzlich Verwaltungsaktuar von Offenau, Biberach und Bonfeld, nachdem die dortigen Bürgermeister nach Beginn des Zweiten Weltkriegs zur Wehrmacht eingezogen worden waren. Maier selbst wurde 1943 eingezogen, kam bei Nürnberg in US-amerikanische Gefangenschaft, zunächst in die Lager Bähl-Iggelheim und Böckingen, später zum Arbeitskommando Mannheim. Ende 1945 wurde er aus dem Lazarett der Universitätsklinik Heidelberg entlassen. Während seiner Abwesenheit führte der stellvertretende Bürgermeister Wieland die Verwaltungsgeschäfte; beide wurden im Zuge der Entnazifizierung wie andere Bürgermeister im April 1945 ihres Amtes enthoben. Bereits im März 1946 bat Willi Treubel, der die Verwaltung zu diesem Zeitpunkt leitete, den Landrat um die Wiedereinsetzung Maiers und fügte eine von drei Viertel der Wahlberechtigten unterzeichnete Liste an. Nach seiner Wahl im März 1948 konnte Bürgermeister Maier ab Mitte April seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen, wiederum in einer schwierigen Lage. Der Ort war zu rund einem Drittel zerstört, Lebensmittel, Wohnraum, Bau- und Brennmaterial fehlten. Der Wiederaufbau erfolgte in den 1950ern dann zunächst mit dem Aufbau von Wohngebäuden, den zerstörten Rathaus, der Erschließung neuer Baugebiete, der Inbetriebnahme der Kläranlage und der Sicherstellung der Wasserversorgung sowie dem Bau der 1957 als „Wilhelm-Maier-Schule“ eingeweihten Schule. Im Dezember 1953 wurde er mit 100 Prozent der gültigen Stimmen wiedergewählt und blieb bis zum Erreichen der Altersgrenze Obereisesheimer Bürgermeister, der für seine Bedächtigkeit, Ruhe und Sachlichkeit gelobt wurde. Wilhelm Maier war von 1929 bis 1968 Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Spar- und Darlehenskasse Obereisesheim (später Genossenschaftsbank), zusätzlich übernahm er Aufgaben beim Württembergischen Gemeindetag und übte eine Lehrtätigkeit im Rahmen der Verwaltungsausbildung aus. Am 23. April 1966 wurde Bürgermeister Maier in den Ruhestand verabschiedet. Für seine Verdienste um Obereisesheim erhielt er im selben Jahr das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1967 verlieh ihm die Gemeinde das Ehrenbürgerrecht, mehrere Vereine verliehen ihm die Ehrenmitgliedschaft. Auch im Ruhestand nahm er weiter Anteil am Leben in Obereisesheim. Er starb im Alter von 76 Jahren am 07. Oktober 1977 und wurde unter großer Anteilnahme am 11. Oktober auf dem Obereisesheimer Friedhof beerdigt. Ortsvorsteher Christian Fischer würdigte ihn in einem Nachruf als „aufrichtigen Freund und aufrechten Mann […], der für Obereisesheim gelebt hat“. Auch seine Witwe Elsa blieb Obereisesheim bis zu ihrem Tod weiter verbunden und im Förderverein der Wilhelm-Maier-Schule aktiv. 2004 starb sie 99jährig und galt bis dahin als älteste Einwohnerin des Ortes.
Vera Kreutzmann