OB Steffen Hertwig wünscht sich für 2026 „mehr Zuversicht und Gemeinsinn“

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Im ersten Teil der Einwohnerversammlung informierten OB Steffen Hertwig und Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel über die wichtigsten Themen der Stadtentwicklung. 
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Bei der Einwohnerversammlung konnten die Besucherinnen und Besucher Fragen an die Verwaltung und die Vertreter des Gemeinderates richten: (v. li.) Moderatorin Natalie Scheerle-Walz, die Stadträte Ina Maria Berthold und Eberhard Jochim, Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel, OB Steffen Hertwig und die Stadträte Karl-Heinz Ullrich, Dr. Stefan Müller, Gerald Friebe und Uli Bertok.

Bei der zentralen Einwohnerversammlung in der Ballei präsentierte die Stadt Neckarsulm aktuelle und künftige Projekte der Stadtentwicklung und blickte auf die Herausforderungen der Zukunft. Mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich aus erster Hand über die neuesten Entwicklungen und die wichtigsten kommunalpolitischen Handlungsfelder zu informieren. Im ersten Teil der Veranstaltung gaben Oberbürgermeister Steffen Hertwig und Bürgermeisterin
Dr. Suzanne Mösel einen kompakten und anschaulichen Überblick über die wichtigsten Themen. Im Vorfeld stellten die städtischen Ämter im Ballei-Foyer ihre Aufgabenbereiche vor und beantworteten Fragen der Besucher.

Zusätzliche Fragen konnten die Bürgerinnen und Bürger im Anschluss an den Vortragsteil an die Verwaltung und die Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen und Gruppierungen im Gemeinderat richten. Dabei ging es unter anderem um folgende Themen:

  • Stand der kommunalen Wärmeplanung:
    Die Stadt ist laut Gesetz verpflichtet, bis spätestens 2040 das Ziel der klimaneutralen Wärmeversorgung zu erreichen. Das heißt, bis dahin müssen die fossilen Brennstoffe Öl und Gas komplett durch erneuerbare Energien ersetzt sein. Die Stadt plant die Wärmewendestrategie auf Grundlage des kommunalen Wärmeplans, der Ende 2023 beim Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht und von der Aufsichtsbehörde bestätigt wurde.
    Der Wärmeplan sieht fünf Startermaßnahmen vor, darunter die Transformation des Biomasse-Heizkraftwerks im Gewerbegebiet Trendpark Süd. Das Heizkraftwerk wird um einen zusätzlichen Biomassekessel erweitert. Das Wärmenetz unter anderem in der Innenstadt wird ausgebaut und zu einem Ringschluss erweitert, um die mit Biomasse CO2-neutral erzeugte Wärmeenergie an die angeschlossenen Abnehmer im Stadtgebiet zu verteilen. Die Planungskosten für die Transformation des Biomasse-Heizkraftwerks werden vom Bund gefördert.
    Als weitere Startermaßnahme ist das „Klimaquartier Viktorshöhe“ geplant. Dort bauen die Stadtwerke Neckarsulm eine neue Energiezentrale mit erweitertem Wärmenetz, um die angeschlossenen Haushalte in dem 19.000 Quadratmeter großen Gebiet mit klimaneutral erzeugter Wärme versorgen zu können. Flankierend plant die Heimstättengemeinschaft Neckarsulm/Heilbronn eG, zahlreiche neue Gebäude als Ersatz für abgebrochene Altbauten zu errichten oder bestehende Wohngebäude zu modernisieren.  
    Die neue Heizzentrale sollte ursprünglich in die Technikräume der Hermann-Greiner-Realschule, die derzeit generalsaniert wird, integriert werden. Dies ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Daher prüft die Stadt aktuell mögliche Alternativstandorte.              
    Das Klimaquartier Viktorshöhe wurde als geplantes städtebauliches Sanierungsgebiet in die Förderkulisse des Landes aufgenommen. Derzeit laufen die vorbereitenden Untersuchungen, um das Sanierungsgebiet später auszuweisen. Über den entsprechenden Satzungsbeschluss entscheidet der Gemeinderat voraussichtlich im ersten Quartal 2026. Dann können auch alle Eigentümerinnen und Eigentümer im Gebiet von Fördermitteln zur Sanierung ihrer Gebäude profitieren. Hierzu wurden die Einwohnerinnen und Einwohner der Viktorshöhe bereits zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 19. Januar 2026 in der Städtischen Musikschule eingeladen.   
    Um die ersten Maßnahmen aus dem Endbericht zur kommunalen Wärmeplanung umzusetzen, müssen Stadt und Stadtwerke in den kommenden Jahren etwa 80 Millionen Euro investieren.          
  • Sondervermögen Infrastruktur des Bundes
    Die Stadt erhält insgesamt 11,2 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur des Bundes. Das Land leitet zwei Drittel der in diesem Topf bereitgestellten Mittel pauschal an die Kommunen weiter. Insgesamt erhalten die Kommunen im Land 8,77 Milliarden Euro. Die 11,2 Millionen Euro, die auf Neckarsulm entfallen, werden allerdings in Tranchen über einen Zeitraum von zwölf Jahren an die Stadt weitergeleitet. Dies entspricht einem Betrag von etwa 935.000 Euro im Jahr. Dadurch relativiert sich die Gesamthöhe der Sondermittel, die an die Stadt fließen.
    Die Stadt muss diese Mittel für investive Maßnahmen in die kommunale Infrastruktur einsetzen. In welche Projekte diese Mittel fließen, steht noch nicht fest. Die Aufgaben im Handlungsfeld Infrastruktur sind so vielfältig, dass der Gemeinderat die Maßnahmen mit entsprechenden Beschlüssen priorisieren muss.     
  • Baumfällarbeiten auf dem Schlossplatz
    Die im November angekündigten Fällarbeiten auf dem Schlossplatz werden in den Januar 2026 verschoben. Zu dieser Aktion gab es Nachfragen in der jüngsten Gemeinderatssitzung, die zunächst beantwortet werden sollen.
    Auf dem Schlossplatz müssen fünf Bäume gefällt werden, weil sie massiv geschädigt sind. Dies hatte die Stadtverwaltung bereits beim ursprünglichen Baubeschluss zur Umgestaltung des Schlossplatzes im November 2024 angekündigt.  
    Es handelt sich um zwei Spitzahorn- und drei Kugelahornbäume. Die beiden Spitzahornbäume wurden von einem behördlichen Sachverständigen begutachtet. Diese Bäume weisen in den Baumkronen Vergreisungen und Wipfeldürren auf. Diese Schäden sind irreversibel und so gravierend, dass sie durch baumpflegerische Maßnahmen nicht behoben werden können. Die Bäume sind damit nicht mehr verkehrssicher. Gegebenenfalls müssen Teile des Schlossplatzes vor den Fällarbeiten vorsorglich gesperrt werden, um die Verkehrssicherheit auch bei Wind und Sturm zu gewährleisten. 
    Die drei kleineren Kugelahornbäume sind laut Gutachten ebenfalls in einem sehr schlechten Zustand und werden zusammen mit den Spitzahornbäumen entfernt.
    Als Ersatz für die Spitzahornbäume werden an anderer Stelle im Stadtgebiet neue Bäume gepflanzt. Wegen der verdichteten Asphaltfläche auf dem Schlossplatz können größere Bäume nicht vor Ort nachgepflanzt werden. Die drei Kugelahornbäume werden an gleicher Stelle ersetzt, entweder durch andere kleine Bäume oder Strauchbepflanzungen.
    Die großen, stadtbildprägenden Platanen auf dem Schlossplatz sollen nach Möglichkeit erhalten bleiben. Die Stadt setzt sich mit baumpflegerischen Maßnahmen aktiv für die Rettung dieser Bäume ein. Um die Wurzeln besser zu versorgen, wendet die Stadt eine Druckluft-Lanzenbehandlung an. Bei diesem Verfahren wird rund um den Baum Luft durch eine Lanze in das Erdreich getrieben. Durch diese Lanze werden Bodenverdichtungen aufgebrochen, und die Wurzeln können Wasser und unterstützende Materialien wie Dünger besser aufnehmen. Außerdem werden Mykorrhiza-Pilze hinzugefügt. Diese Bodenpilze gehen eine symbiotische Lebensgemeinschaft mit Pflanzenwurzeln ein und versorgen diese mit Wasser und Nährstoffen.
  • Nahversorgung in Amorbach
    Um die rund 5700 Quadratmeter große Fläche hinter dem Ladenzentrum zu entwickeln, hat die Stadt einen Investorenwettbewerb ausgelobt. Gesucht wurde ein geeigneter Investor und Betreiber für einen Lebensmittelmarkt in Kombination mit einem Medizinischen Versorgungszentrum und dem Bau neuer Wohnungen. Für diese Kombination gab es jedoch keine Interessenten.
    Die Stadt verhandelt derzeit weiter mit Lebensmittelmärkten. „Wir verfolgen weiter eine Lösung mit Lebensmittel-Nahversorger und Wohnen“, bestätigte
    Dr. Suzanne Mösel.
  • Schutzräume für die Bevölkerung
    Intakte Schutzräume für die Bevölkerung existieren in Neckarsulm nicht mehr. Es ist auch nicht geplant, neue Schutzräume zu bauen. Nach Ende des Kalten Krieges in Europa wurden vielerorts Schutzräume und Bunker reduziert beziehungsweise aufgelöst.
    Die Stadt setzt stattdessen auf Notfalltreffpunkte. Diese dienen in außergewöhnlichen Krisensituationen, wie zum Beispiel bei extremen Wetterlagen, flächendeckenden Stromausfällen oder Cyber-Angriffen, als Anlaufstellen für die Bevölkerung. Dort erhalten Bürgerinnen und Bürger in Notsituationen Informationen zur aktuellen Lage, Erste Hilfe bei medizinischen Notfällen oder Hilfsgüter.
    In Neckarsulm werden insgesamt fünf Notfalltreffpunkte in öffentlichen, zentral gelegenen Gebäuden eingerichtet. Ein solcher Notfalltreffpunkt befindet sich zum Beispiel im Gemeinschaftszentrum Ballei.
  • Öffentliche Toilette am Festplatz Pichterich
    Am Festplatz Pichterich wurde ein neue WC-Containeranlage errichtet. Sie dient als Ersatz für die defekte Toilettenanlage unter der B 27-Brücke. Die neue WC-Anlage wird geöffnet, sobald der Bau des Bolzplatzes mit Sonnenschutz abgeschlossen ist. Die alte Toilettenanlage wird zurückgebaut. Nur die Einhausung des Elektroverteilers bleibt bestehen. 
    Der asphaltierte Festplatz Pichterich wurde bereits in Teilen entsiegelt. Auf der verbliebenen Fläche wird derzeit ein öffentlich zugänglicher Bolzplatz errichtet, der zum Schutz vor Sonne und Hitze überdacht wird. „Wir schaffen damit eine barrierefreie Sport- und Bewegungsfläche für Kinder und Jugendliche“, betonte Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel. „Das ist ein tolles Angebot, das unentgeltlich und rund um die Uhr nutzbar ist – auch im Sommer.“
  • Einführung der Hilver-App in Neckarsulm
    Mit Hilfe der Hilver-App (Hilfe und Vermittlung) können Einwohnerinnen und Einwohner Unterstützung im Alltag anfordern, wie zum Beispiel Hilfe beim Einkaufen, einfache Fahrten – beispielsweise zum Arzt – oder für kleine Reparaturen im Haushalt. Sowohl Hilfesuchende als auch Helfende können sich registrieren lassen und nach dem passenden App-Partner suchen. Die Hilver-App soll im Februar 2026 eingeführt werden. Zum Start ist eine öffentliche Auftaktveranstaltung geplant.

Zum Abschluss der Einwohnerversammlung wünschte sich OB Steffen Hertwig für das kommende Jahr „etwas mehr Zuversicht und Gemeinsinn“: „Wir sollten uns wieder den Mehrwert und die Chancen bewusst machen, die die Stadt zu bieten hat. Dann werden wir die kommenden Herausforderungen besser bewältigen.“ 

Stadt startet Beteiligungsplattform „go vocal“  

Im kommenden Jahr startet die Stadt Neckarsulm die digitale Beteiligungsplattform „go vocal“. Bürger können sich via Web und mobiler App aktiv und unkompliziert an Entscheidungsprozessen beteiligen und ihre Stimme zu ausgewählten Themen abgeben. Die Meinungen und Vorschläge aus der Bürgerschaft werden direkt ausgewertet, so dass die Verwaltung schnell auf die Bürgeranliegen reagieren kann. „Wir erhoffen uns dadurch eine wirkliche Verbesserung und wesentlich schnellere Kommunikation mit den Bürgern“, erklärte OB Steffen Hertwig. (snp)    

(Erstellt am 28. November 2025)