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Blick in die Neckarsulmer Stadtgeschichte

Bild eines Deutschordensritters an einer Hauswand in der Kolpingstraße
Bild eines Deutschordensritters an einer Hauswand in der Kolpingstraße

Den frühesten Nachweis über die Existenz des von den Franken gegründeten Neckarsulm haben wir aus dem Jahre 771: In diesem Jahr ist der Ort "villa sulmana" in einer Schenkungsurkunde des an der Bergstraße gelegenen Klosters Lorsch erwähnt. Zunächst im Besitz der Staufer kommt der Ort um 1200 als Lehen an die Herren von Weinsberg, die auch die Burganlage auf dem Scheuerberg errichten. Die Anfänge des Stadtschlosses (heute Zweiradmuseum) reichen ebenfalls ins 13. Jahrhundert zurück. Anfang des 14. Jahrhunderts erhält der Ort Stadt- und Marktrechte, ebenfalls aus dieser Zeit stammt wohl die Stadtmauer.

1335 verkauften die Herren von Weinsberg unter anderem Neckarsulm an das Erzstift Mainz, das den Ort jedoch Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1483 an seine Amtsleute, die Herren von Sickingen, verpfändet. 1484 kommt die Stadt Sulm durch Tausch vom Erzstift Mainz an den Deutschen Orden, dessen Herrschaft sie dann bis 1805 untersteht. Noch heute künden das Stadtwappen mit dem schwarzen Kreuz auf weißem Grund und die Stadtfarben schwarz-weiß von der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Deutschen Orden.

Historische Ansicht von Neckarsulm um 1843
Historische Ansicht von Neckarsulm um 1843

Im Bauernkrieg 1525 zerstören aufgebrachte Bauern die Burg auf dem Scheuerberg, den Verwaltungssitz des Deutschordensamtmanns. Da die Aufrührer Unterstützung von der Stadt erhalten hatten, wird die Stadt unterworfen, die Stadtbefestigung soll niedergelegt werden. Die Burg auf dem Scheuerberg wird nicht mehr aufgebaut, daher wird der Verwaltungssitz in das wieder hergestellte Stadtschloss verlegt. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wird die Stadtbefestigung wieder aufgebaut, das Rathaus, die Große Kelter und der Vorgängerbau der heutigen Stadtpfarrkirche entstehen. Während dieser Zeit wird die Stadt Sulm übrigens erstmals mit dem uns heute geläufigen Namen Neckarsulm bezeichnet. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) muss die Bevölkerung mehrfach wechselnde militärische Besatzungen und eine Pestepidemie über sich ergehen lassen.

Ende des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts hatte Neckarsulm im Zuge der Erbfolgekriege erneut unter Besatzungen zu leiden. In diesem Jahrhundert entstehen die Stadtkirche St. Dionysius und ein neues Rathaus. Infolge der napoleonischen Kriege kommt Neckarsulm aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses 1805 an Württemberg - Neckarsulm wird 1807 württembergische Oberamtsstadt.

Historische Aufnahme der Neckarsulmer Innenstadt mit Blick auf die St. Dionysius Kirche
Historische Aufnahme der Neckarsulmer Innenstadt mit Blick auf die St. Dionysius Kirche
Neckarsulmer Industrieviertel um 1900
Neckarsulmer Industrieviertel um 1900

Im Lauf des 19. Jahrhunderts nimmt die Bevölkerung der Stadt Neckarsulm allmählich zu, die Stadtbefestigung wird teilweise beseitigt, um der wachsenden Stadt Raum zu geben. Neckarsulm war bisher eine eher ländliche, von der Landwirtschaft und dem Weinbau geprägte Stadt gewesen.

1855 wurde hier die älteste Weingärtnergenossenschaft Deutschlands gegründet - Begünstigt durch den 1866 erfolgten Anschluß an die Eisenbahn und die günstige Lage am Neckar,  entwickelte sie sich am Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr zur Industriestadt. Den größten Anteil hieran hat die seit 1880 in Neckarsulm ansässige Strickmaschinenfabrik Christian Schmidt, unter deren späteren weltbekannten Firmennamen "NSU" Fahrräder, Motorräder und Autos produziert werden. Wichtig sind außerdem Firmen wie die Jutefabrik Spohn, die Schiffswerft und die Karl Schmidt GmbH.

Durch den Zuzug auswärtiger Arbeiter verändert sich die Struktur der bis dahin traditionell katholisch geprägten Stadt - eine Ortsgruppe der SPD entsteht 1898, die protestantische Gemeinde gewinnt an Bedeutung; sie erbaut 1888 die in der Binswanger Straße gelegene Stadtpfarrkirche.

Die zerstörte Neckarsulmer Innenstadt nach dem 2. Weltkrieg
Die zerstörte Neckarsulmer Innenstadt nach dem 2. Weltkrieg

Während des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges erlangt die Stadt durch den Standort einer Kaserne und der kriegswichtigen Industriebetriebe Karl Schmidt und NSU Bedeutung. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört ein amerikanischer Bombenangriff am 1. März 1945 die Innenstadt weitgehend. Der Wiederaufbau erstreckt sich bis in die 50er Jahre: das Stadtbild prägende Gebäude - unter anderem die große Kelter, das ehemalige Deutschordensschloss und die Stadtkirche - werden wieder aufgebaut, allerdings verändert sich durch den Wegfall der Judengasse und den Verzicht auf den Wiederaufbau der vor 1945 auf dem Markplatz gelegenen Häuser das Bild der Innenstadt.

Neu entsteht in den Jahren 1953 bis 1955 der Stadtteil Amorbach; dort wird Wohnraum für 3.000 Einwohner- vorwiegend Vertriebene und Pendler- geschaffen.

Im Zuge der Gebietsreform schließt sich am 1. Mai 1971 die Gemeinde Dahenfeld mit 920 Einwohnern und am 1. Mai 1972 die Gemeinde Obereisesheim mit 2.600 Einwohnern der Stadt Neckarsulm an. Ein Jahr später wird am 1. Januar 1973 die Stadt Neckarsulm zur großen Kreisstadt erklärt. Mit rund 26.000 Einwohnern ist Neckarsulm heute als größte Stadt im Landkreis Heilbronn eine wirtschaftlich bedeutende Stadt, die neben den Großfirmen AUDI AG und Kolbenschmidt Pierburg AG zahlreiche Mittel- und Kleinbetriebe beherbergt und als Standort für zukunftsträchtige Produktionsbereiche und Dienstleistungen (z.B. EDV) Bedeutung hat. Auch durch die Nutzung der Solarenergie im Stadtteil Amorbach ist Neckarsulm europaweit bekannt.

Unsere Stadtgeschichte in Kürze


Wer mehr über die Neckarsulmer Stadtgeschichte erfahren will, findet viele interessante Informationen im Stadtmuseum (Urbanstraße 14), im Stadtarchiv  (Marktstraße 16) und in folgenden Büchern:

 

Überblickswerke

  • Königliches statistisch-topographisches Bureau (Hg.): Beschreibung des Oberamts Neckarsulm. Stuttgart 1881
  • Historische Blätter. Herausgeber: Heimatverein Neckarsulm
  • Krapf, Friedrich: Neckarsulmer Heimatbuch, hrsg. im Auftrag der Evangelischen und Katholischen Bezirksschulamts. Öhringen 1928
  • Maucher, F. J.: Geschichte Neckarsulms. Waldsee 1901
  • Stadt Neckarsulm (Hg.): Neckarsulm. Die Geschichte einer Stadt. Stuttgart 1992
  • Vogt, August: Historischer Stadtführer Neckarsulm 1990
  • Vogt, August: Villa Sulmana. Bilder einer Stadtentwicklung. Neckarsulm 2000

Chroniken

  • Heyler, Anton: Neckarsulm im Auf und Ab eines halben Jahrhunderts. Chronik 1900-1950. Neckarsulm 1955
  • Heyler, Anton: Chronik der Stadt Neckarsulm 1951-1976. Neckarsulm 1989
  • Löslein, Barbara und Liebig, Bernd: Chronik der Stadt Neckarsulm 1977-2000. Neckarsulm 2005

Orts- und Stadtteile

  • Friedel, Bernd/Stadt Neckarsulm (Hg.): 50 Jahre Amorbach. Der Stadtteil im Wandel der Zeit. Neckarsulm 2005
  • Gemeinde Obereisesheim (Hg.): 1200 Jahre Obereisesheim. Beiträge zur Ortsgeschichte. Ludwigsburg 1967
  • Löslein, Barbara/Bauer, Martin: Dahenfeld. Neckarsulm 2002
  • Löslein, Barbara/Stadt Neckarsulm (Hg.): Obereisesheim - Die Entwicklung eines Dorfes. Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum der Eingemeindung Obereisesheims. Neckarsulm 1997