„zu allen Zeiten nicht mehr als meine Pflicht getan“
Der 25. Juni ist nicht nur der Geburtstag George Orwells, sondern hat auch in Neckarsulm eine Bedeutung: Am 25. Juni 1976 starb Hermann Greiner. Der Todestag des Neckarsulmer Ehrenbürgers jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal.
Hermann Christian Greiner wurde am 12. Februar 1886 in Stangenbach geboren, einem kleinen Ort in den Löwensteiner Bergen, der heute zur Gemeinde Wüstenrot gehört. Dort verbrachte er die ersten Jahre seiner Kindheit, bevor er ab etwa 1890 überwiegend in Heilbronn aufwuchs. In dieser Zeit prägte Armut die Familie, früh musste Greiner sich um seine Mutter Karoline Christine Greiner und seine Geschwister kümmern, weil sein Stiefvater Christian Gläsle die siebenköpfige Familie vernachlässigte. Er sei „von ganz unten, aus dem Elend des Lebens der [18]90er Jahre herausgewachsen, einem Leben, das so arm war, wie man sich das heute nicht mehr vorstellen könne“, sagte Hermann Greiner über seine Kindheit.
Er besuchte die Volksschule und schloss anschließend eine Lehre als Dreher und Schlosser ab, arbeitete dann von 1903 bis 1906 in verschiedenen Fabriken, unter anderem bei den NSU-Werken in Neckarsulm. Nach seinem Militärdienst und Arbeitsstellen an verschiedenen Orten heiratete er im Oktober 1910 Katharina Wüst. Aus dieser Ehe gingen vier Söhne und eine Tochter hervor. 1911 zogen sie nach Neckarsulm, wo Greiner bei den NSU-Werken als Eisendreher arbeitete.
Bereits 1905 war er in die Freien Gewerkschaften eingetreten und 1910 wurde er Mitglied der SPD. Sein politisches Engagement für die Arbeiterschaft setzte er ab dieser Zeit sein Leben lang fort. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und der anschließenden Novemberrevolution bildete sich auch in Neckarsulm ein Arbeiterrat, dem Hermann Greiner angehörte. Ebenfalls 1919 wurde er mit der dritthöchsten Stimmenzahl in den Gemeinderat der Stadt gewählt. Dieses Ehrenamt konnte er immer in der Gewissheit ausüben, „das Vertrauen des größten Teils der Bevölkerung erworben zu haben“. Insgesamt war Greiner 46 Jahre lang Mitglied des Gemeinderates, wobei ihm die Beseitigung sozialer Missstände und vor allem die Förderung des Wohnungsbaus besonders am Herzen lag. So gehörte er 1917 zu den Gründungsmitgliedern der Heimstättengenossenschaft Neckarsulm (heute Heimstättengemeinschaft Neckarsulm/Heilbronn eG) und war ab 1930 ihr Geschäftsführer.
Die Jahre des Nationalsozialismus 1933 bis 1945 gehörten zu den schwersten seines Lebens. Im Juni 1933, nur wenige Monate nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar, wurde Hermann Greiner im Zuge der Gleichschaltung als engagiertes Mitglied der am 22. Juni verbotenen SPD aus dem Gemeinderat ausgeschlossen. Schon im März wurde er für neun Tage ins „Schutzhaft“ genommen und in Neckarsulm und Heilbronn interniert. Ende August wurde er im Zuge der Gleichschaltung der Baugenossenschaften als Geschäftsführer der Heimstättengenossenschaft durch die NS-Behörden entlassen.
In den Folgejahren wurden er und seine Familie immer wieder von den (Neckarsulmer) Nationalsozialisten eingeschüchtert, 1934 verbrachte er mehr als zwei Monate in Untersuchungshaft, 1935 wurde er wegen einer öffentlichen Meinungsäußerung in einer Neckarsulmer Besenwirtschaft zu einer Geldstrafe verurteilt. 1944 verhaftete die Geheime Staatspolizei (Gestapo) Greiner und weitere bis zuletzt aktive SPD-Mitglieder und verschleppten ihn ins Konzentrationslager Dachau. Von dort kehrte er im September desselben Jahres körperlich und seelisch gezeichnet nach Neckarsulm zurück. Über das, was dort mit ihm geschehen war, hat er sich nie geäußert.
Nach dem Ende des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs 1945 war Greiner stellvertretender Neckarsulmer Bürgermeister – solange, bis der langjährige Bürgermeister Johannes Häußler das Amt wieder übernahm. Greiner gehörte außerdem von 1946 bis 1950 dem ersten Landtag von Württemberg-Baden an, war wieder im Gemeinderat aktiv und Mitglied des Kreistags und wurde Wiederbegründer und aktiver Mitarbeiter bei der Heimstättengenossenschaft.
Für sein Engagement wurde er mehrfach geehrt: 1952 erhielt er als erster Einwohner des Landkreises Heilbronn das Bundesverdienstkreuz am Bande, beim Abschied aus dem Kreistag 1968 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Auch die Stadt Neckarsulm, deren Gemeinderat er von 1919 bis 1933 und von 1947 bis 1965 angehört hatte, zeigte Greiner ihre Anerkennung: 1956 verlieh sie ihm die Ehrenbürgerwürde und benannte 1978 die Steinachschule in der Viktorshöhe in „Hermann-Greiner-Realschule“ um ‑ zwei Jahre, nachdem der überzeugte Demokrat Hermann Greiner am 25. Juni 1976 nach kurzer Krankheit verstorben war. (Barbara Löslein, Vera Kreutzmann)
