Öffentliche Starkregen-Gefahrenkarten veranschaulichen Risiken durch plötzlich anfallendes Oberflächenwasser

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Um den zunehmenden Gefahren durch Starkregen zu begegnen, erarbeitet die Stadt Neckarsulm ein Konzept zum Starkregen-Risikomanagement. Ein erster wichtiger Arbeitsschritt ist jetzt abgeschlossen. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses stellte die Verwaltung den Stadträtinnen und Stadträten die Starkregen-Gefahrenkarten vor. Die Gefahrenkarten wurden von dem Büro geomer GmbH aus Heidelberg im Auftrag der Stadt erstellt und sind dort auf einer externen Datenplattform hinterlegt. Das computeranimierte Datenwerk wurde beim Tag der offenen Tür am 13. Mai im Rathaus erstmals einer größeren Öffentlichkeit präsentiert. Die Starkregen-Gefahrenkarten sind öffentlich einsehbar unter www.starkregengefahr.de/neckarsulm oder über die städtische Homepage: www.neckarsulm.de / Zukunft gestalten / Klima & Umwelt / Link „Starkregenereignisse“.

Im Unterschied zum Hochwasser tritt Starkregen plötzlich und unvermittelt auf und lässt den Betroffenen keine Reaktionszeit. Überflutungen durch Starkregen können jeden treffen und treten im Zuge des Klimawandels immer häufiger auf. „Daher ist es wichtig, fundierte Grundlagen über die Geschehnisse bei Starkregen-Ereignissen im Voraus zu erarbeiten“, unterstrich Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel.

Computeranimierte Karte zeigt Fließwege und -geschwindigkeiten  

Die Karten zeigen, welche Bereiche in Neckarsulm bei extremen Niederschlags-Ereignissen von wild abfließendem Oberflächenwasser betroffen sind, und sie markieren die Fließwege und Fließgeschwindigkeiten. Der Nutzer kann in der computeranimierten Karte seinen Wohnort oder den Ort seines Interesses durch Heranzoomen auswählen. Im Menü stehen drei Szenarien zur Auswahl: ein seltener, außergewöhnlicher und extremer Starkregen. Als Berechnungsgrundlage wird ein Starkregen von jeweils einer Stunde Dauer zugrundgelegt. Die Karten sind in allen drei Ereignissen modelliert. So kann der Nutzer am Bildschirm die prognostizierten Fließwege des Oberflächenwassers in den jeweiligen Intensitäten verfolgen und einschätzen, in welchem Maße er individuell betroffen ist.

Auf dieser fundierten Grundlage plant die Stadt Maßnahmen zum Schutz der eigenen Liegenschaften, aber auch zum Schutz ganzer Siedlungsgebiete oder Straßenzüge. Die Bandbreite der Möglichkeiten reicht dabei von Lenkungsmaßnahmen wie dem Anheben von Feldwegen oder dem Erhöhen von Bordsteinen über die Anlage von Retentionsflächen in Parks und Grünanlagen bis hin zum Bau von Regenrückhaltebecken.

Stadt plant Maßnahmen des Stadt- und Landschaftsumbaus

„Wir werden neue Maßnahmen des Stadtumbaus und vor allem des Landschaftsumbaus in Angriff nehmen müssen“, kündigte Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel an. Dazu gehöre auch der Umbau öffentlicher Grünbereiche wie zum Beispiel der Grünen Mitte in Amorbach. „Angesichts der Erkenntnisse, die wir durch die Starkregen-Gefahrenkarten gewonnen haben, werden wir darüber hinaus unsere Planungen und Vorhaben hinterfragen“, erklärte Dr. Suzanne Mösel. Eine erste Konsequenz steht bereits fest: Die Stadt verzichtet auf die im Flächennutzungsplan ausgewiesene Erweiterung des Gewerbegebiets „Mostäcker“ in Dahenfeld. Diese Fläche wird nicht bebaut, sondern bleibt als Rückhalteraum erhalten.         

Die erforderlichen Schutzmaßnahmen für die städtischen Liegenschaften und Siedlungsgebiete werden jetzt in einem weiteren Schritt priorisiert und in einem kommunalen Handlungskonzept zusammengefasst. Der Gemeinderat wird im Herbst über dieses Handlungskonzept entscheiden.

Haus- und Grundstückseigentümer müssen selbst vorsorgen 

„Kommunales Handlungskonzept bedeutet aber nicht, dass die Stadt für alle Eventualitäten und jeden Hauseigentümer Vorsorge treffen kann“, stellte Dr. Suzanne Mösel fest. „Jeder Haus- und Grundstückseigentümer ist aufgerufen, seine Liegenschaft bestmöglich selbst zu schützen. Auf der Basis der Gefahrenkarten können die Eigentümerinnen und Eigentümer geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen oder sich fachkundigen Rat einholen.“  

Hilfreiche Informationen finden Interessierte auch in der Broschüre „Überflutungen durch Starkregen und Hochwasser“, die das Tiefbauamt der Stadt Neckarsulm neu herausgegeben hat. Die Infobroschüre erläutert, wie es zu Starkregen kommt, wie man sein Haus vor Überflutungen schützen kann und wie man sich vor und nach einem Überflutungsfall verhält. Die Broschüre liegt im Rathaus und in den Verwaltungsstellen kostenlos zum Mitnehmen aus. (snp)