OB Steffen Hertwig „vor Ort“ im Gespräch mit Bürgern der Kernstadt

Im Rahmen der Reihe "OB vor Ort" stellte sich OB Steffen Hertwig den Fragen der Bürger aus der Südstadt udn den Wohngebieten Viktorshöhe/Neuberg.

Verkehrsbelastung bleibt bestimmendes Thema

Nach Terminen in den Stadtteilen Dahenfeld, Amorbach und Obereisesheim stand Oberbürgermeister Steffen Hertwig auch Einwohnern der Kernstadt im Rahmen der Reihe „OB vor Ort“ im direkten Gespräch zur Verfügung. Jeweils bis zu 15 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, Steffen Hertwig zu Themen der Südstadt beziehungsweise der Wohngebiete Viktorshöhe/Neuberg zu befragen, auf Kritisches hinzuweisen oder Anregungen zu formulieren. Bestimmendes Thema war dabei einmal mehr die Verkehrsbelastung.

In den Neckarsulmer Unternehmen und Betrieben arbeiten mittlerweile nahezu 40.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Die steigende Zahl der Arbeitsplätze bringt immer mehr Verkehr mit sich. So pendeln täglich rund 35.000 Arbeitnehmer in die Stadt. Auf das grundsätzliche Dilemma zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitsplatzsicherung auf der einen und wachsender Verkehrsbelastung auf der anderen Seite wies Steffen Hertwig hin. Einziger Ausweg sei der Wandel zu einer nachhaltigen Mobilität, bekräftigte der OB. „Wir brauchen grundsätzlich eine neue Mobilität.“ Lösungsansätze zeige der Mobilitätspakt für den Wirtschaftsraum Heilbronn-Neckarsulm und das multimodale Mobilitätskonzept der Stadt Neckarsulm auf. Ziel sei es, alternative Formen der Mobilität zu stärken und den motorisierten Individualverkehr soweit wie möglich zu vermeiden. „Wir müssen die Menschen mit alternativen Verkehrsmitteln zur Arbeit bringen“, unterstrich Steffen Hertwig.     

So müsse zum Beispiel der ÖPNV weiter verbessert und stärker in Einklang mit den gleitenden Arbeitszeiten gebracht werden. Mit dem betrieblichen Mobilitätsmanagement leisteten auch die Unternehmen ihren Beitrag. In einem ersten Arbeitstreffen mit Vertretern des Mobilitätspakts im Rathaus Heilbronn stellten die Schwarz Gruppe und die Audi AG ihre Angebote wie zum Beispiel Jobticket, Carsharing und Mitfahr-App vor. Um auch kleineren Unternehmen den Einstieg in das betriebliche Mobilitätsmanagement zu ermöglichen, stellen die Städte Heilbronn und Neckarsulm je einen Koordinierungsbeauftragten für das Betriebliche Mobilitätsmanagement ein. Die beiden Referentenstellen werden für jeweils vier Jahre besetzt und in den ersten beiden Jahren vom Landesverkehrsministerium finanziert. Die Neckarsulmer Koordinierungsbeauftragte tritt ihren Dienst am 15. September an.             

Aktuell findet in Neckarsulm der Fußverkehrs-Check mit Unterstützung des Landesverkehrsministeriums statt. Ziel ist es, den Fußverkehr in Politik und Verwaltung wieder als eigenständige und wichtige Mobilitätsform ins Bewusstsein zu rücken und die Situation der Fußgänger vor Ort anhand von Problempunkten und Schwachstellen exemplarisch zu beleuchten.

Anwohner beklagen Geschwindigkeitsverstöße  
Neben der Verkehrsmenge empfinden Anwohner auch das Verhalten mancher Verkehrsteilnehmer als belastend. Die Beschwerden über Lärm durch getunte Motoren und laute Musik halten an. Über Geschwindigkeitsverstöße klagten Anwohner der Carmauxstraße, der Neuenstädter Straße und der Viktor-Brunner-Straße. Auch das Durchfahrtsverbot für Lkw in der Neuenstädter Straße werde nicht immer eingehalten, wie Bürger beobachtet haben. Ein Anwohner schlug vor, in der Neuenstädter Straße ein stationäres Tempomessgerät zu installieren. OB Hertwig sagte eine kurzfristige mobile Geschwindigkeitsmessung zu. Darüber hinaus prüfe die Verwaltung, inwieweit der Verkehr in der Viktor-Brunner-Straße im Abschnitt ab der Neuenstädter Straße beruhigt beziehungsweise beschränkt werden kann. Ein Anwohner sprach sich dafür aus, diesen Straßenabschnitt für Autos zu sperren. Der Straßenraum sei für die Begegnung von Pkw-, Schüler- und Radverkehr zu beengt. Zudem missachteten Lkw das Durchfahrtsverbot.

Von gefährlichen Situationen berichteten auch Anwohner der Danziger Straße. Weil dort halbseitig geparkt werden darf, verringert sich die Straßenbreite. Bei Begegnungsverkehr kommt es vor, das Autofahrer auf den abgeflachten Gehweg ausweichen, um nicht anhalten zu müssen. Ähnlich rücksichtloses Verhalten hatten Amorbacher Bürger in der Lautenbacher Straße beobachtet. Dort zieht die Verwaltung in Betracht, den Gehweg mit niedrigen Kunststoffmarkierungen zu begrenzen. Ob diese Lösung auch für die Danziger Straße geeignet ist, wird derzeit geprüft.

Anwohnerin schlägt Geschenkset für Baumpaten vor 
Erneut kritisiert wurde der Pflegezustand der Verkehrsinseln im öffentlichen Straßenraum. Auch im Hinblick auf die Imagewirkung bei Besuchern sollten die Grünflächen an prägnanten Stellen besser gepflegt werden, so die Gesprächsteilnehmer. Für die Umsetzung des geplanten städtischen Grünkonzepts, das auch Pflegepatenschaften vorsieht, hatte eine Anwohnerin einen konkreten Vorschlag: Wer sich als Pate zur Pflege eines Baumes bereit erklärt, sollte ein kleines Geschenkset mit praktischen Utensilien wie Kleingeräten und Handschuhen erhalten. Die im Rahmen der Patenschaft gepflegten Bäume beziehungsweise Bereiche könnten mit kleinen Namensschildern aus Baumrinde gekennzeichnet werden. Diese Anregungen nahm Steffen Hertwig gerne mit.    

Abermals Anlass zur Kritik gaben auch die geschotterten Wege auf dem Alten Friedhof Steinachstraße. Die Wege seien mit Rollatoren nur schwer zu begehen. Grundsätzlich wolle die Stadt den naturnahen Zustand des Alten Friedhofs erhalten, entgegnete Steffen Hertwig. Daher sollen die Wege auf dem Friedhof ebenso wenig wie in der Grünen Mitte Amorbach asphaltiert werden. Die Stadt werde dennoch die Möglichkeit prüfen, ob zumindest die Hauptwege in geeigneter Weise befestigt werden können, sagte der OB zu.

Abschließend bedankte sich Steffen Hertwig für den offenen und konstruktiven Meinungsaustausch. „Mir ist bewusst, dass die Verkehrsthemen den Bürgern besonders auf den Nägeln brennen. Umso wichtiger ist es, den eingeschlagenen Weg der Mobilitätswende konsequent fortzusetzen.“ Das Format „OB vor Ort“ habe sich bewährt. „Ob große Verkehrsthemen oder kleine Alltagssorgen – ich stelle mich gerne den Fragen und Anliegen der Bürger“, versicherte der Oberbürgermeister. (snp)

Vom Donnerstag, 9. August 2018
Kategorie: Rathaus

Zurück zur Übersicht

Einrichtungen in Neckarsulm