Zwei Brüder feiern Geburtstag

Eduard Rheineck

Georg Emil Rheineck

Georg Emil Rheineck in seinem Stuttgarter Atelier bei der Arbeit an der Skulptur "Der Ballwerfer". (Fotos: Stadtarchiv Neckarsulm)

Die Künstler Eduard und Georg Emil Rheineck

Mitte April jährte sich der Geburtstag des aus Neckarsulm stammenden Bildhauers Eduard Rheineck zum 180. Mal, gut einen Monat später der seines jüngeren Bruders Georg zum 170. Mal – Anlass genug, an die beiden Künstler zu erinnern, die als Söhne des Oberamtswundarztes Eduard Rheineck und seiner Frau Ida in Neckarsulm geboren wurden.

Der ältere Bruder: Eduard Rheineck
Am 17. April 1838 geboren zeigte Eduard früh künstlerische Neigungen. Bei Maler Kempter in Neckarsulm machte er seine Ausbildung und erlernte dann in Schwäbisch Gmünd die Bildschnitzerei. Ab 1862 studierte er an der Kunstakademie München und arbeitete von 1863 an als Bildhauer in der Mayerschen Kunstanstalt. Diese belieferte weltweit Kirchen mit Innenausstattungen, Skulpturen und Mosaiken. Nach dem Tod ihres Direktors leitet Eduard das Unternehmen. 1865 heirateten Eduard und Anna Seltenhorn, aus der Ehe gingen acht Kinder hervor.

Wenig ist über Eduards weiteren Werdegang und seine Werke bekannt: 1892 stiftete der Jungfrauenverein Neckarsulm für die St. Dionysiuskirche zwei von ihm gefertigte Tragfiguren für Prozessionen (Maria mit Jesuskind und St. Joseph), und 1894 schuf er für die wieder eingeweihte Klosterkirche eine Marienfigur. In Privatbesitz befinden sich heute noch zwei Marienfiguren und eine Holzskulptur. Ein weiteres seiner Werke ist eine 1896 vom Mayerschen Kunstinstitut an die Most Holy Redeemer Church in New York (173 East 3rd Street) gelieferte Kalvarien-Gruppe. Eduard Rheineck starb am 29. September 1918 in München.

Der jüngere Bruder: Georg Emil Rheineck
Kindheit und Jugend in Neckarsulm

Georg Emil kam als jüngstes der Rheineck-Kinder am 24. Mai 1848 auf die Welt. Anders als seine älteren Brüder durfte er nach Beendigung der Latein- und Realschule nicht studieren, sondern absolvierte eine Lehre in der Neckarsulmer Bildhauerwerkstatt Zartmann. Dort bewährte er sich durch Fleiß und Zuverlässigkeit und wurde an der gewerblichen Fortbildungsschule in Heilbronn mit Preisen ausgezeichnet. Nach der Gesellenprüfung bildete er sich neben seiner Berufstätigkeit künstlerisch weiter, um an der Kunstakademie studieren zu können.

Lebensstationen
Nachdem Rheineck 1870/71 als Soldat am Deutsch-Französischen Krieg teilgenommen hatte, studierte und arbeitete er ab 1873 in München, Stuttgart und Dresden, wo er an der Kunstakademie studierte. 1879 heiratete er Emma Clothilde Roßhirt, 1880 wurde Tochter Emma geboren und 1883 zog das Ehepaar nach Leipzig, wo sich Rheineck als Künstler einen Namen machte. Kurz nach der Geburt der zweiten Tochter Ida aber starb 1883 Ehefrau Emma – ein schwerer Schicksalsschlag, von dem sich Rheineck bis zu seinem Lebensende wohl nicht mehr erholt hat. Die Töchter Emma und Ida wuchsen bei Verwandten in Öhringen und Pforzheim auf, Rheineck zog nach Karlsruhe. 1886 ließ er sich in Stuttgart nieder, wo er am 4. Juli 1916 starb und auf dem Stuttgarter Pragfriedhof beerdigt wurde.

Das künstlerische Werk
Rheinecks qualitätsvolle Werke waren überwiegend Auftragswerke und deshalb dem von seinen Auftraggebern bevorzugten konservativen, realistischen Stil verpflichtet. Er fertigte Büsten, Medaillons, Grabmäler, kleine Skulpturen und Gefäße. Dazu zählten auch eine Büste für den Leipziger Gewandhauskapellmeister Carl Reinecke, Grabmale der Familien Gaucher und Schiedmayer auf dem Stuttgarter Pragfriedhof, Skulpturen für die Kunstakademie und das Landesgewerbemuseum Stuttgart (heute: Haus der Wirtschaft) und die Hegel-Statue am Stuttgarter Rathaus.

In unserer näheren Umgebung hat Rheineck kaum Spuren hinterlassen. Sein 1909 als Ersatz für den Löwenbrunnen auf dem Neckarsulmer Marktplatz entworfener "Neckar-Sulm-Brunnen" wurde nicht ausgeführt. Der 1899 für Heilbronn gefertigte Fischbrunnen an der Allee musste 1918 an die Kriegsmetall AG abgeliefert werden. Glücklicherweise hat Rheinecks Enkel Richard Bauschmid einige Werke aufbewahrt und sie dem Heimat- und Museumsverein Neckarsulm übergeben. Einen Einblick in Rheinecks Werk bietet außerdem der Raum „Kulturwerkstatt“ im Stadtmuseum Neckarsulm.

Festschrift zum 80. Todestag von Georg Emil Rheineck im Stadtarchiv erhältlich
1996 hat das Stadtarchiv anlässlich des 80. Todestages Georg Emil Rheinecks eine Festschrift herausgebracht, die einen interessanten Einblick in sein Werk bietet. Sie ist zum Preis von einem Euro im Stadtarchiv, Marktstraße 16, erhältlich. (Barbara Löslein)  


Vom Sonntag, 6. Mai 2018
Kategorie: Rathaus

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