Suche:

 
Sie sind hier: Online-Rathaus - Bauen & Wohnen - Bauordnung - 

Hinweise für die nachträgliche Wärmedämmung der Außenwände bei grenzständigen Gebäuden

Bis zum Jahr 2050, so die energiepolitische Zielsetzung der Bundesregierung, soll die Energieversorgung in Deutschland nahezu vollständig aus erneuerbaren Energien erfolgen.
Auch die Senkung des Energiebedarfs, nicht zuletzt im Gebäudebereich, und die Erhöhung der Energieeffizienz der Versorgungssysteme sind tragende Säulen des Energiekonzepts. Etwa 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs entfallen auf den Gebäudesektor. Energetisches Sanieren und energieeffizientes Bauen bilden somit zentrale Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Energiewende.

Immer häufiger stehen Gebäudeeigentümer grenzständiger Gebäude vor dem Problem, dass die nachträglich anzubringende Wärmedämmung auf der Fassade über die Grundstücksgrenze hinaus, auf das Nachbargrundstück ragt. Sollten Sie ebenfalls hiervon betroffen sein, sei es aufgrund Ihrer Dämmabsicht des eigenen Gebäudes oder weil Sie Nachbar eines solchen sind, möchten wir Ihnen nachfolgend einige wichtige Punkte an die Hand geben.

Zu unterscheiden sind folgende Fallgruppen:

1. Überbauung privater Grundstücksflächen:

Durch die Änderung des Nachbarrechtsgesetzes regelt der Landesgesetzgeber nun  Voraussetzungen und Bedingungen von Überbauten über private Grundstücksflächen durch die nachträgliche Wärmedämmung.

Die wichtigsten Stichpunkte des neu eingefügten § 7 c zum Nachbarrechtsgesetz haben wir für Sie nachfolgend zusammengestellt:

  • Eigentümer und Nutzungsberechtigte eines Grundstücks haben, eine Wärmedämmung, die nachträglich auf die Außenwand eines an der Grundstücksgrenze stehenden Gebäudes aufgebracht wurde, bis zu einer Dicke von 25 cm zu dulden.
  • Die Duldungspflicht besteht nur, wenn im Zeitpunkt der Anbringung der Wärmedämmung eine vergleichbare Wärmedämmung auf andere, die Belange der Eigentümer beziehungsweise Nutzungsberechtigten schonendere Weise mit vertretbarem Aufwand nicht vorgenommen werden konnte.
  • Den Eigentümern und dinglich Nutzungsberechtigten des überbauten Grundstücks ist ein angemessener Ausgleich in Geld zu leisten.
  • Eigentümer und Nutzungsberechtigte des überbauten Grundstücks können verlangen, dass die Eigentümer des durch den Wärmeschutzüberbau begünstigten Grundstücks die gedämmte Fassade in einem ordnungsgemäßen Zustand erhalten.
  • Die Veranlasser des Überbaus haben den Eigentümern oder Nutzungsberechtigten des überbauten Grundstücks den durch den Überbau entstehenden Schaden ohne Rücksicht auf Verschulden zu ersetzen.

2. Überbauung öffentlicher - / Verkehrsflächen:

a)    Ohne gleichzeitige Unterbauung des Straßenkörpers:

Einer Auskragung der straßenseitigen Außendämmung in dem geplanten Umfang (bis max. 25 cm) wird unter folgenden Voraussetzungen zugestimmt:

  • Die Sicherheit und Leichtigkeit des öffentlichen Verkehrs darf durch die Anbringung der Außendämmung nicht behindert werden.
  • Es besteht kein Anspruch auf Umbau bzw. Entfernung bestehender Verkehrseinrichtungen (Schilder, Bepflanzungen)
  • Die Durchführung von Reinigungs- und Schneeräumarbeiten darf durch die nachträgliche Anbringung der Außenwanddämmung nicht erschwert werden. Im Falle etwaiger Beschädigungen der Außenwanddämmung, die im Zuge der üblichen Straßenreinigung/ Schneeräumung entstehen, können gegenüber der Stadt Neckarsulm keine Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden.
  • Bei einem späteren Eingriff in den Straßenkörper (Fahrbahn, bzw. an die Fassadendämmung anschließender Gehweg) sind Haftungsansprüche gegenüber der Stadt Neckarsulm wegen möglicher Beschädigungen der über die Grundstücksgrenze hinausragenden Dämmung ausgeschlossen.


b)    Bei gleichzeitiger Unterbauung des Straßenkörpers:

Sofern eine Anbringung der Wärmedämmung auch unter der Oberkante des Gehwegniveaus/ Straßenniveaus vorgesehen und demnach mit einem Eingriff in den vorhandenen Gehweg/ Straßenbelag/ die Pflasterung und den Untergrund des öffentlichen Verkehrsraums verbunden ist, gelten grundsätzlich folgende Bestimmungen:

  • Vor Eingriff in den öffentlichen Straßenbelag ist die Ausführung der Bauarbeiten mit dem städtischen Tiefbauamt (Ansprechpartner: Herr Robinson, Tel.: 07132/35-358) abzustimmen. Dabei ist die betroffene öffentliche Fläche durch den Bauherrn auch auf etwaige Ver- und Entsorgungsleitungen hin zu überprüfen.
  • Die Bauarbeiten sind durch eine Fachfirma auszuführen.
  • Die Fertigstellung der Baumaßnahme ist dem städtischem Tiefbauamt anzuzeigen
  • Durch den Bauherrn ist eine Beweissicherung (zumindest in Form einer Fotodokumentation vor und nach der Baumaßnahme) durchzuführen.
  • Bei einem späteren Eingriff in den Straßenkörper (Fahrbahn, bzw. an die Fassadendämmung anschließender Gehweg) sind Haftungsansprüche gegenüber der Stadt Neckarsulm wegen möglicher Beschädigungen der über die Grundstücksgrenze hinausragenden Dämmung ausgeschlossen.

3. Allgemeine Brandschutzrechtliche Informationen:

  • Die Vorgaben und Anforderungen für die Verwendung von Außenwanddämmungen an Gebäuden ergeben sich aus § 5 Abs. 2 der Ausführungsverordnung zur Landesbauordnung für Baden-Württemberg (AVOLBO). Danach müssen Außenwandverkleidungen einschließlich Dämmstoffen und Unterkonstruktionen der Baustoffklasse B1 (schwerentflammbar) entsprechen. Dies gilt nicht für Gebäude der Gebäudeklassen 1-3. Hier sind dennoch die Herstellervorgaben des einzusetzenden Wärmeverbundsystems in brandschutztechnischer Hinsicht zu beachten.
  • Grundsätzlich sind Außenwanddämmungen im grenznahen Bereich zum Nachbargrundstück – d.h. ab einem Wandabstand von weniger als 2,5 Meter zur Grundstücksgrenze – mit Baustoffen der Baustoffklasse A (nicht brennbar) herzustellen; dies gilt auch für Wände, die nicht parallel zur Nachbargrenze verlaufen. Einzelheiten können mit der städtischen Baurechtsbehörde (Ansprechpartner: Herr Feil, Tel.: 07132/35-391) abgestimmt werden.

 

 

 

Ansprechpartner Bauverwaltung:
Herr Holger Feil
Bauverwaltungsamt Zi. 2.5, Gebäude B
Tel.: 07132 / 35-391
E-Mail: holger.feil(at)neckarsulm.de

Ansprechpartner Tiefbau:
Herr Roy Robinson
Tiefbauamt Zi. 2.3, Gebäude C
Tel.: 07132 / 35-358
E-Mail: roy.robinson(at)neckarsulm.de